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HIV 2010

Das Buch zu HIV und AIDS

www.hivbuch.de

15. Checkliste: Der neue HIV-Patient

Teil 3 - AIDS  vorheriges Kapitel    nchstes Kapitel Symptomorientierte Medizin

Philip Aries und Bernhard Schaaf

Das Erstgespräch

sollte auf mehrere eng zusammenliegende Termine verteilt werden.

Was der Patient nachher wissen sollte

  • Wie das Virus krank macht (in groben Zügen)
  • Was der Unterschied zwischen HIV-infiziert und AIDS-krank ist
  • Die Bedeutung von CD4-Zellen und Viruslast
  • Wie man Dritte anstecken kann und wie nicht
  • Dass jetzt erst recht zusätzliche Geschlechtskrankheiten vermieden werden sollten, weil sie den Verlauf der HIV-Infektion verschlimmern können
  • Dass man sich auch ein zweites Mal mit einem anderen, pathogeneren oder resistenten HIV-Stamm infizieren kann
  • Wo die HIV-Therapie ansetzt und wie gut sie sein kann
  • Dass gesunde Ernährung und körperliches Training sinnvoll sind
  • Dass Rauchen das Risiko für viele Komplikationen erhöht
  • Wo man weitere Informationen erhält und welche Selbsthilfegruppen (→AIDS-Hilfe) und Einrichtungen zur Unterstützung HIV-Infizierter bestehen
  • Welche weiteren Untersuchungen weshalb geplant sind

Was der Behandler nachher wissen sollte

Infektion und Risiko

  • Wann, wo und warum wurde der HIV-Test durchgeführt?
  • Gab es vorher einen negativen Test? Welche Risiken ist der Patient seither eingegangen?
  • Wo war der Patient in letzter Zeit? Das ist wichtig, weil einige für Immundefiziente gefährliche Keime in bestimmten Regionen vorkommen.
  • Welche Drogen werden konsumiert? Größere Mengen Alkohol sind insbesondere unter ART lebertoxisch und erschweren die Adhärenz. Kardiovaskuläre Komplikationen sind bei Rauchern häufiger.
  • Familienanamnese? (z.B. Diabetes mellitus) Tuberkulosekontakt?

Begleiterkrankungen

  • Welche Vorerkrankungen, welche Begleiterkrankungen bestehen?
  • Hatte der Patient andere STDs? Anamnestisch Pneumonien, Zoster, Soor?
  • Welche Medikamente werden regelmäßig/gelegentlich eingenommen?

Sozial

  • Welchen sozialen Hintergrund hat der Patient?
  • Welcher Arbeit geht er nach? Welche Verpflichtungen hat er? Was sind seine Prioritäten?
  • Wer weiß von seiner Infektion? Wer wird helfen, falls er krank wird? Mit wem spricht er über seine Sorgen? Gibt es infizierte Freunde? Besteht Interesse an Kontakt zur Sozialarbeit oder Selbsthilfegruppen?
  • Ist eine psychiatrische/psychotherapeutische Unterstützung nötig?

Das Labor

  • Bestätigung der HIV-Infektion: Kontrolle der Antikörper mit Western-Blot
  • Plasma HIV-RNA
  • Resistenztest (Genotyp) mit HIV-Subtypbestimmung
  • Absolute CD4-Zellzahl und CD4/CD8 Quotient (weniger Fluktuation)
  • Optional HLA B*5701 (positiv: Abacavir kontraindiziert wegen HSR)
  • Großes Blutbild: Bei 30-40 % unbehandelter HIV-Patienten besteht eine Anämie, Neutropenie oder Thrombopenie. Kontrolle alle 3-6 Monate auch bei asymptomatischen Patienten und unter ART
  • Elektrolyte, Kreatinin, GOT, GPT, γGT, AP, LDH, Lipase,
  • Nüchtern-Blutzucker (Cave metabolische Nebenwirkungen unter ART)
  • Nüchtern Lipidprofil als Baseline-Bestimmung (ges Chol, LDL, HDL, TG)
  • Kreatinin, kalkulierte Krea-Clearance und Urinstatus (z.B. Proteinurie bei HIV-assoziierten Nephropathie, Glukosurie bei Diabetes mellitus)
  • Hepatitis-Serologie: A, B und C (Koinfektion? Impfkandidaten?)
  • Lues Serologie: TPHA-Test (Koinfektion?)
  • Toxoplasmose-Serologie: IgG-negativ: Prävention (Kein rohes Fleisch, Hygiene bei Katzenklo). Wenn positiv: medikamentöse Prophylaxe bei < 200 CD4-Zellen/l
  • CMV-Serologie: IgG-negativ: Prävention (safe sex), Transfusion CMV-negativer Konserven. IgG-positiv: bei < 100 CD4-Zellen/l Funduskopie
  • Varizellen-IgG Serologie (postexpositionell: siehe Impfkapitel)

Die Untersuchungen

  • Körperliche Befunderhebung (auch Größe/Gewicht: BMI) einschließlich orientierender neurologischer Untersuchung (u.a. mit Vibrationsempfinden und Mini Mental Test)
  • Tuberkulin-Hauttest nach Mendel Mantoux. Die früheren 10 IE entsprechen 2 IE des aktuellen Präparates (2 IE = 0,04 g Tuberkulin PPD RT23). Wenn größer 5 mm positiv, evtl. Prophylaxe. T-cell Interferon γ release assays TIGRAs (T.SPOT.TB oder Quanti-FERON-TB Gold IT) kann bei selektierten Patienten eine Alternative darstellen; siehe Tuberkulose-Kapitel).
  • Röntgen-Thorax. Kontrovers, sinnvoll wohl nur bei positivem Tuberkulin-Hauttest oder Hinweis für Erkrankungen der Thoraxorgane
  • Sonografie Abdomen. Unschädliche, aussagekräftige Untersuchung als Baselinebefund, in den gängigen Leitlinien aber nicht erwähnt
  • EKG, Lungenfunktionstest. Einfache Tests zum Ausschluss kardiovaskulärer und pulmonaler Erkrankungen
  • Bei Frauen PAP-Abstrich: bei Erstdiagnose und jedes Jahr (1,7-fach erhöhtes Zervixkarzinom-Risiko)
  • Bei homosexuell aktiven Männern wird von einigen Experten ein analer PAP-Abstrich alle 13 Jahre empfohlen (erhöhtes Risiko für Analkarzinome, wird bisher nicht von der Kasse bezahlt)
  • Insbesondere bei < 100 CD4-Zellen/l Funduskopie (ophthalmologisches Konsil) zum Ausschluss aktiver CMV-Retinitis oder Narben. Auch bei gutem Immunstatus sinnvoll (Foto-Dokumentation als Baseline)
  • Evtl. Ernährungsberatung, bzw. Malnutrition behandeln
  • Impfungen überprüfen (HAV, HBV, Pneumokokken; siehe Impfkapitel)
  • Prüfen der Notwendigkeit von OI-Prophylaxen
  • Prüfen der Indikation einer antiretroviralen Therapie
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